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Neue Archäologie

Die Entstehung des Hollabrunner Stadtmuseums ist eng mit der Geschichte der archäologischen Sammlung verbunden: 1903 wurde mit dem Ankauf der Sammlung Ruprecht, der Uhrmachermeister aus Oberhollabrunn sammelte als Erster urzeitliche Funde aus der Umgebung, der Hollabrunner Museumsverein gegründet. Durch Schenkungen und weitere Ankäufe historisch und volkskundlich interessanter Stücke entstand bald eine beachtliche Sammlung, die die Stadtväter im alten Rathaus ausgestellt hatten.


1927 erfolgte über Vermittlung von Dr. Josef Bayer der Ankauf der reichhaltigen Sammlung Mattula. Was im Jahr darauf zu Eröffnung des ersten Stadtmuseums Hollabrunn am Pröllplatz führte.


Erst 1974 wurde der heutige Standort, die „Alte Hofmühle“, für die Neuaufstellung des Museums adaptiert. In diesem geschlossenen Ensemble der alten Herrschafts-Mühle sind nun das Stadtmuseum (Hollabrunner Museumsverein) und der Verein „Kultur µ“ untergebracht.

Die Neuaufstellung der Archäologischen Sammlung im Jahre 2008 fiel mit zwei runden Gedenkterminen zusammen: Die Stadt Hollabrunn feiert ihr 100-Jahr Jubiläum. Die Archäologische Abteilung nahm 25 Jahren zuvor ihre Arbeit auf (Sichtung der Altbestände, Notgrabungen im Raume Hollabrunn und archäologische Bezirksaufnahme). Daher der Titel "Neue Archäologie Hollabrunn“.

In zwei Räumen wird seither Einblick in die urzeitliche Forschungsgeschichte Hollabrunns, das sind vor allem die Sammlungen Ruprecht, Mattula und Hasenhündl, und auf spezielle archäologiesche Highlights gegeben.

Raum 1 umfasst zeitlich die Anfänge menschlicher Besiedlung von der Altsteinzeit bis in die frühe Bronzezeit. Der Faustkeil eines Neandertalers, Dr. Josef Bayer, einer der Entdecker der Venus von Willendorf, als gebürtiger (Ober-)Hollabrunner, die legendär-geheimnisvollen Kreisgrabenanlagen der Umgebung mit einem Modell des zweifachen Kreisgrabens von Puch und der Bronzeschatz aus Peigarten verleiten zum Staunen.

 

Die Farben Ocker und Braun weisen auf die bäuerliche Besiedlung seit ca. 7000 Jahren hin. Neue Theorien wie „Oberstinkenbrunn am See“, "Jungsteinzeit ist gleich Holzzeit“ sollen zum Nachdenken anregen. Modernes - ein Ziegel, eine eiserne Hacke oder Hausmüll - wurden in die Schausammlung geschmuggelt um geistige Brücken in die Urzeit zu schlagen.

Raum 2 hat zeitlich den Bereich von der mittleren Bronzezeit bis zur jüngeren Eisenzeit, Keltenzeit, zum Inhalt. 
Er ist in Pastellgün, der Patina von Bronze, gehalten. Es sind hauptsächlich Gräber, in denen patinierter Bronzeschmuck gefunden wird. Die neuesten Grabfunde der Hollabrunner Archäologen aus dem benachbarten Gräberfeld „Hollabrunn, An der Aspersdorfer Straße" (1991 bis 1997) nehmen hier breiten Raum ein.

 

Der Großteil der Urnengräber aus der Zeit um1300/1200 v. Chr. (Übergang von der Mittelbronzezeit zur Urnenfelderzeit) war alt beraubt. Sechs Bestattungen, darunter ein Kindergrab mit einer seltenen Blattbügelfibel, konnten unversehrt geborgen werden. Auch eine stark durchwühlte Grabanlage eines Schamen (oder Spielers?) mit einem Sack voll Würfelknochen ist ausgestellt.